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© Isa Karfunkelstein

Hannah Valentin im Gespräch mit Isa Karfunkelstein

Isa K.: Hannah, deine Webseite ist voller deutscher Rapzitate. Warum?
HV: Deutscher Rap, zum Beispiel der von Fiva, macht mich einfach immer irgendwie wach. Sie hat einen enormen Sprachwitz, der „AHA-Gefühl“ und Inspiration gleichzeitig entfacht. Da steh ich drauf – zuhören, von jemandem lernen und selbst weiterdenken.

Isa K.: Ein Großteil der Schauspieler haben ja oft lange Zeiten ohne Jobs zu überstehen. Verzweifelst du, wenn das der Fall ist?
HV.: Das ist auf jeden Fall eine harte Nummer in dem Beruf, manchmal spiele ich abends und am nächsten morgen denke ich schon, fuck, da ist heute nichts, wann kommt das nächste? Und dann wird man gefragt, was man denn z. Z. so für Projekte hat und dann sagt man zähneknirschend z. Z. nichts, mal sehen… Aber dann sag ich mir immer wieder selbst „z. Z.“ bedeutet doch nicht Zwischenzeit, sondern Zimt und Zucker! Und dann wird aus Warten Süßigkeit und man stürzt sich drauf und macht sich dran, seine eigenen Gedanken zu verwirklichen.

Isa K.: Hast du viele eigene Projekte?
HV: Ich habe viele Gedankenkonstrukte, aber bei der Umsetzung hapert’s manchmal noch (lacht). Doch ich mache schon einige Sachen, wie einen Film über das Modesystem und seine Auswirkungen, Gedichte, Musik, Fotostrecken und eigene Inszenierungen mit Freunden. Irgendwas sagen, nach außen tragen, ich will ja meinen Teil beisteuern in der Welt. Ich kann oft andere nicht verstehen, die kein Bock haben mitzumischen, aber die können mich ja wahrscheinlich auch nicht verstehen. Entweder da ist ne Sehnsucht da, oder halt nicht.

Isa K.: Wenn solch eine Durststrecke da ist und es auch an den „Umsetzungen hapert“, woran glaubst du dann, wo tankst du Kraft?
HV.: Ich würde gerne glauben, dass glauben hilft, aber ich kann tatsächlich nicht so weit denken. Die Vorstellung davon ist in meinem Kopf nur ein Konstrukt aber nichts was mich überzeugt und was ich fühlen kann. Ich bleibe lieber in meinem kleinen Universum und beschäftige mich mit dem, was ich fassen kann, denn da kann ich ja auch mit anfassen, anpacken und experimentieren, sodass sich etwas weiterentwickeln kann. Kraft hole ich mir ganz kitschig in der Liebe zu den Menschen die ich ganz unkitschig liebe.

© Isa Karfunkelstein IMG_88701

Isa K.: Hannah, du hast keine Schauspielschule besucht. Hast du das noch vor?
HV: (räuspert) Viele Freunde von mir rennen von Schauspielschule zu Schauspielschule und werden wieder und wieder nicht genommen und das sind allesamt wirklich klasse Leute. Auch das Gegenbeispiel, dass manche sofort genommen wurden und am Ende da raus kommen und denken -wie geht’s denn jetzt weiter?- und jahrelang rumtingeln, das habe ich so oft erlebt und das nervt mich, deswegen will ich’s nicht. Und Autodidakt klingt doch irgendwie geil. Autodidakt ist ja nicht gleich unprofessionell meiner Meinung nach, gerade in einer Künstlersparte in der Unprofessionalität als „cool“ und „lässig“ gilt. Davon halte ich nichts. Und wer sagt, ein Autodidakt müsste zwangsläufig unprofessioneller sein, da kann ich nur Jürgen Vogel zitieren, als er gefragt wurde, ob er ohne Ausbildung nicht eher Selbstdarsteller als Schauspieler sei: Leckt mich doch ihr Arschbuletten. Selbstdarsteller sind wir doch alle. Jede Rolle kann ja nur mit dir selbst gefüttert werden, egal wie viel du über andere liest oder recherchierst, das sind auch alles nur Informationen, die du in dir verarbeitest.

Isa K.: Aber das Handwerk sollte doch gelernt sein und man bekommt eher Jobs an Theatern mit einer klassischen Ausbildung?
Ja, gegen eine Ausbildung habe ich mich nie ausgesprochen, nur gegen eine Schule und das auch nur in meinem speziellen Fall, ich spreche hier ja sowieso nur für mich. Allgemein ist der Abschluss an einer Schauspielschule auf jeden Fall klare Kontingenzbewältigung, das macht es einfacher, die erste Hürde wird dir dadurch genommen – nämlich die Rechtfertigung. Warum soll man denn nur Pech haben? Ich möchte nicht so denken. Warum sollte ich es nicht schaffen? Ich bin ja nicht faul.

Isa K.: Das klingt ja sehr zu Ende gedacht, du weißt also genau was du willst?
HV: Ja, oft klinge ich sehr entschieden, ach das ist eine die weiß was sie will. Aber ich bin jemand, der viel mit rumträgt und oft denke ich lange nach, und mein knapper Schlussgedanke ist dann halt das, was bei denen um mich rum ankommt… Die Entwicklung dieser Gedanken teile ich nur mit sehr wenigen Leuten, glaube ich. Aber nein, ich weiß nicht was ich will, aber ich mag Überraschungen, also ist das nicht so schlimm!

Isa K.: Hast du ein Vorbild?
HV.: Emmy Hennings ist meine Größe, kann man sie ein Vorbild nennen? Sie ist mir einfach sehr sympathisch und ich mag ihren Weg, den sie gegangen ist, nicht unbedingt den der Prostitution, aber alles andere. Ihre Texte sprechen mit einer unendlichen Sensibilität, worin so viele Wünsche verborgen sind, wie kleine Schätze, da fängt man immer sofort an zu träumen und träumen ist ja eh mein Lieblingshobby.

Isa K.: Was würdest du gerne mal gefragt werden, wenn du dir eine Frage aussuchen könntest?
– Ob ich berlinern kann.
– Kannst du?
– Ja, kann ich!!